Zurück zu den Blogs
· 93-mal gelesen

Vielleicht fürchte ich mich vor der Zukunft

Aus dem Türkischen übersetzt
Vielleicht fürchte ich mich vor der Zukunft

Motorisierte Fahrzeuge sind in jedem Moment unseres Lebens bei uns. Wie jedes Zusammensein birgt auch dieses Erinnerungen. So laden wir es mit Bedeutung auf. Ein Mehr, ein Weniger … Als unüberwindlich geltende Distanzen werden überwunden, mal für eine Liebe, mal für einen Krieg. Vielleicht verlieren Entfernungen ihre Bedeutung. Mal fliegend, mal auf Schienen, mal auf Rädern überwinden wir alle Strecken. Von diesen ist es für mich am schönsten, auf Rädern zu sein. Im Auto zu sitzen. Mit ihm eins zu werden und eine makellose Harmonie zu finden. Dass die Straßen zur Tanzfläche werden. Die Kraft und den Atem des Todes im Nacken zu spüren, eine mechanische Leidenschaft.

Für manche ist dieses Zusammensein dagegen ein Mittel zur männlichen Selbstbefriedigung, zur Angeberei oder dazu, von Punkt A nach Punkt B zu kommen; fern von Leidenschaft und diesen genussvollen Momenten. Nur ein Fahrzeug.

Dieses Fahrzeug hat sich seit seinem ersten Auftauchen eigentlich kaum verändert. Ja, keines der Grundprinzipien hat sich geändert. Im Lauf der Jahre wurden sie komfortabler, problemloser, sicherer, wohnlicher. Alles sieht sehr gut aus, nicht wahr? Nein. Sie haben ihre Seele verloren. Ihr fahrt das Auto nicht mehr. Es lenkt euch, ganz zu schweigen von den autonomen Fahrzeugen der 5. Generation. Wenn ich sie ansehe, bin ich dankbar, vielleicht verfluche ich es auch, dass es wenigstens ein Lenkrad gibt, damit unsere Hände nicht leer bleiben.

All das erleichtert unser Leben scheinbar ausreichend. Alles wird für euch erledigt. Ihr setzt euch hin und kommt mit lauter „Bestwerten“ zu dem Punkt, an den ihr wollt. Die Zukunft verspricht all diese „Bestwerte“. Und sie verspricht nicht nur, sie liefert auch. Trotz all dieser Bestwerte fehlt in diesen Versprechen etwas. Die Seele. Es gibt keine Seele. Es gibt keine Mechanik. Alles ist besser und auf Bestwert-Niveau. Alles ist elektronisch. Die Zeit entwickelt sich in diese Richtung. Schade.

Autos hören auf, ein Teil unseres Lebens zu sein, und werden zu Kühlschränken. Von Tag zu Tag. Eigentlich sind sie es längst geworden. Sie erleichtern uns das Leben also ausreichend, ja sogar übermäßig.

Für mich waren die 90er die beste Zeit für Autos. Eine einzigartige Zeit, die nicht wiederkommen wird. Ein wunderbares Gleichgewicht, in dem sich Mechanik und Technologie mischten. Autos, die ihr selbst fahrt. Saugmotor-Autos, die dorthin fahren, wohin ihr das Lenkrad dreht. Sie waren nicht unbedingt die schnellsten, aber ganz sicher die genussvollsten.

Es ist nicht nötig, dass alles unser Leben mit hoher Effizienz erleichtert. Sie sind gut so, wie sie sind. Wie die kleinen Nuancen im Leben kann man mit ihnen verschmelzen. Sie haben gleichsam ihre eigene Seele. Eine Verbindung zu ihren Fahrern. Die Verbindung von Mechanik und Mensch.

Ein Schaltwagen mit Hinterradantrieb und Sperrdifferenzial. Für mich die Definition von Glück, Genuss, Verbundenheit und Freiheit. Ein hochdrehendes Saugmotor-Monster, das euren Befehlen gehorcht. Dieses Monster muss unser Leben nicht erleichtern, es erhebt ja auch gar keinen solchen Anspruch.

Heute dagegen fliegen die PS durch die Luft. Ohne elektronische Systeme ist es sogar unmöglich geworden, ein Auto auf der Straße zu halten. Die Grenzen sind sehr hoch gestiegen. Inzwischen ist jedes Auto gut. Viele grundlegende Dinge bietet inzwischen jedes Auto dem Nutzer. Selbst die Grenzen normaler Alltagsautos sind sehr hoch. Sie liegen auf einem Niveau, das ein normaler Nutzer nicht erreichen kann.

Aber die Grenzen zu überschreiten ist ein scharfes Messer. Alles geschieht plötzlich und außer Kontrolle. Wie weit kann man denn ein Auto lenken, das man nicht wirklich fährt? Das Auto erzählt euch nichts über sich, die Straße, die Umgebung. Ihr seid zu stark isoliert. Ihr habt keine Verbindung zum Chassis. Vom Lenkrad ganz zu schweigen.

Wenn es so weit ist, bleibt euch beim Überschreiten der Grenzen in einem Auto, das keinerlei Verbindung zu euch hat, nichts anderes übrig, als auf elektronische Systeme zu hoffen und zu beten. Eigentlich seid ihr glücklich, wenn ihr überhaupt noch Zeit zum Beten findet. Alles geschieht weit jenseits der Wahrnehmungsebene. Blitzschnell.

Mit der Zeit, mit der Zukunft geht vieles zu Ende. Wir hören immer öfter die Sätze vom letzten Saugmotor, letzten Luftgekühlten, letzten mechanischen Differenzial. Eigentlich geht damit auch eine Epoche zu Ende. Die schönste Epoche geht zu Ende.

In der neuen Zeit fahren die Autos mit allen „Bestwerten“ von selbst. Pferde, die ohne Reiter aufbäumen …

Als Transportmittel sind sie gut, das ist eine unbestreitbare Tatsache. Aber das ist nicht die genussvollste und gefühlvollste Art des Transports. In dieser Zeit ist alles sehr schnell geworden. Auch die Zeit.

Trotz alledem ändern sich die grundlegenden Rollen, die den Autos zugedacht sind, nicht. So sehr heute auch Autos fernab von Kunstwerken gebaut werden, ändern sich ihre Rollen nicht. Ja, ihre Großväter sind besser aussehend, aber man muss auch den Enkeln eine Chance geben; zumindest dann, wenn unser einziges Ziel ist, von Punkt A nach Punkt B zu kommen.

Trotzdem ist diese seelenlose Zukunft für mich beängstigend. Als hätte man sich weit vom Dualismus entfernt. Kühlschränke, geformt von materiellen Sorgen, werden als Autos verkauft. Auch wenn sie ihre Rollen gut spielen, unterscheiden sie sich nicht von Kühlschränken. Ohne Charakter und kalt.

Kurz gesagt: Motorisierte Fahrzeuge beeinflussen als unsere größte Leidenschaft unser Leben. Sie bringen uns zu unseren Liebsten. Gewissermaßen leben wir mit ihnen. Und sie haben inzwischen eine Ausstattung, die unser Leben übermäßig erleichtert.

Aber je mehr davon es gibt, desto mehr hören sie auf, Leidenschaft zu sein, und werden zu einer Horde seelenloser Roboter. Trotz allem sind Autos so wichtig wie Häuser und, auch wenn sie seelenlos werden, Objekte, zu denen man eine Bindung aufbauen kann. Besonders die mechanischen.

Vielleicht wie eine mechanische Uhr, kleine Nuancen. Vielleicht ein Halt in dieser schnellen Zeit, zum Ausruhen. Vielleicht die einzige hoffnungsvolle Zelle in einem krebsbefallenen Gewebe.

Kommentare 0

Schreib den ersten Kommentar.