Nachtfahrt
Aus dem Türkischen übersetzt
Der Mensch braucht immer jemanden. Manchmal einen Freund, manchmal den geliebten Menschen, manchmal einfach jemanden, der ihm zuhört. Aber es gibt Abende, an denen man mit niemandem reden möchte. Nicht, weil man wütend auf jemanden oder gekränkt ist. Man will einfach ein bisschen für sich sein.
In solchen Momenten nehme ich den Schlüssel und gehe aus dem Haus. Wenn ich ins Auto steige, weiß ich meistens nicht, wohin ich fahre. Genau das mag ich an Abendfahrten am liebsten. Den ganzen Tag bist du irgendwohin gehetzt, hast Dinge erledigt, mit Leuten gesprochen. Diesmal musst du nirgendwohin. Du schaltest die Zündung ein, sitzt eine Weile da, findest etwas zum Abspielen. Dann fährst du los.
Ich finde, eine der Seiten am Auto, die dem Menschen guttun, ist, dass es ein Raum ist, der einem selbst gehört. Wenn du die Tür schließt, geht das Leben draußen weiter, aber du kannst ein bisschen außen vor bleiben. Du musst nicht reden. Du musst nicht erklären, warum du still bist. Wenn du willst, hörst du dasselbe Lied dreimal, wenn du willst, schaltest du die Musik ganz aus.
Nachts fühlen sich selbst die Straßen, die du jeden Tag fährst, anders an. Eine Straße, die du im Tagesverkehr schimpfend durchfährst, durchfährst du ein paar Stunden später ohne jede Eile. Ein paar noch geöffnete Läden, Leute, die auf ihren letzten Bus warten, ein anderes Auto, das an der Ampel neben dich fährt… Du siehst Dinge, auf die du sonst nicht achtest.
Was ich mag: bei eingeschalteter Klimaanlage das Fenster einen Spalt öffnen und ganz ruhig dahinrollen. Ein bisschen frische Luft soll hereinkommen, ein Lied laufen, das ich liebe. Ich biege in eine Straße ein, die ich nicht kenne, und wenn mir später danach ist, drehe ich noch eine Runde. Manchmal gehört auch dazu, an einem geöffneten Laden einen Kaffee zu holen und weiterzufahren. Dafür braucht es keinen großen Plan. Das Schöne ist ja gerade, dass es keinen Plan gibt.
Natürlich kann man den Kopf nicht zu Hause lassen. Auch die Dinge, die dich tagsüber belastet haben, fahren mit. Ein Wort, das du nicht gesagt hast, ein Thema, über das du zu viel nachgedacht hast, Aufgaben, die du morgen erledigen musst… Eine Weile denkst du darüber nach. Dann merkst du plötzlich, dass du das Lied mitsingst. Die Sache, die dir eben noch im Kopf kreiste, hast du eine Weile nicht mehr besucht. Es löst sich nicht alles. Wenn du nach Hause kommst, warten die Aufgaben von morgen wieder auf dich. Aber nach dieser Pause fühle ich mich etwas entspannter. Manchmal wundere ich mich, dass das, was ich brauche, so einfach ist.
Und diese Fahrten haben auf ihre Art auch ein Ende. Du stellst keinen Wecker, du rechnest nicht aus, wie viele Kilometer du fährst. An einem Punkt sagst du: „Gut, ich kehre jetzt um.“ Du drehst um und parkst das Auto. Wenn ein schönes Lied läuft, wartest du manchmal auch, bis es zu Ende ist. Deshalb sind Abendfahrten eine meiner liebsten Sachen. Ich nutze das Auto nicht immer, um irgendwohin zu fahren. Manchmal genügt es, ein bisschen herumzufahren, meine Gedanken zu ordnen und zum selben Ort zurückzukehren.
Dann gehe ich nach oben. Wenn du fragst „Wohin bist du gefahren?“, ändert sich die Antwort auch kaum:
„Nirgends, ich bin ein bisschen herumgefahren.“



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